Home Fahrzeuge Strecken Busnetz Bilderbogen Die Zukunft +Plus Die Vergangenheit: Aufbau Die Vergangenheit: Abbau Die Vergangenheit: Netzplan OB Die Vergangenheit: Einst & Jetzt Die Vergangenheit: Spurensuche
Neubau der Straßenbahn  
   

So wie der Aufbau der Stahlindustrie das Wachstum der jungen Stadt Oberhausen forcierte und damit die Grundlagen für den Aufbau der ersten Oberhausener Straßenbahn schuf, so war der Niedergang der gleichen Industrie indirekt auch der Anlass zum Neubau der heutigen Straßenbahn in Oberhausen.

Der Rückzug der Stahlindustrie brachte für die Stadt Oberhausen neben der hohen strukturwandelbedingten Arbeitslosigkeit die Herausforderung, für die riesigen Industriebrachen entlang der Emscher und des Rhein-Herne-Kanals, die wie ein trennender Gürtel zwischen dem Stadtzentrum und den nördlichen Stadtteilen lagen, eine zukunftssichere Nutzungsmöglichkeit zu finden.

Das gefundene Konzept der Neuen Mitte Oberhausen umfasste in der ersten Stufe neben der Erschließung von Gewerbeflächen für die An- und Umsiedlung kleinerer Industriebetriebe vor allem den Bau des Einkaufszentrums CentrO mit benachbartem Freizeitpark und der Veranstaltungshalle Arena.

***************************

Eine der Zielvorgaben bei der Planung des CentrO war es, dass mindestens ein Drittel der Besucher mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen sollten. Allein durch Einbindung in das vorhandene Oberhausener Busnetz schien dieses Ziel allerdings nicht erreichbar. Stattdessen sollte eine neue, allein dem ÖPNV vorbehaltene, Verbindung vom Oberhausener Hbf über die Neue Mitte nach Sterkrade Bahnhof geschaffen werden.

In einer ersten Studie wurden verschiedene Konzepte vom reinen Schienenverkehr als S-Bahn, Stadt- oder Straßenbahn über den Bus- bzw. Spurbus-Betrieb bis hin zur H-Bahn hinsichtlich Infrastruktur- und Fahrzeugkosten, möglichem Betriebsablauf und Fahrgastfreundlichkeit geprüft.

In die engere Auswahl kamen letztlich die Varianten Spurbusbetrieb und Busbetrieb, die mit der Möglichkeit der Durchbindung von Linien über die Knotenpunkte Hauptbahnhof und Sterkrade Bf. hinaus die größte Flexibilität bei der Einbindung der neuen Trasse in das Stadtverkehrskonzept versprachen.

Aufgrund der erwarteten hohen Fahrgastzahlen sollte nach beiden Varianten die Trasse so ausgeführt werden, dass eine spätere Nachrüstung zum Straßenbahnbetrieb ohne größere Umbauten möglich wäre.

Im Verlauf der weiteren Planung traten die Vorteile, mit Inbetriebnahme der ÖPNV-Trasse gleich auch den Straßenbahnbetrieb einzuführen, immer weiter in den Vordergrund, so dass das Projekt 1993 schließlich als kombinierte Bus-/Straßenbahn-Trasse in den Verkehrsentwicklungsplan aufgenommen und am 07.02.1994 vom Stadtrat beschlossen wurde.

***************************

Im August 1994 begannen die Bauarbeiten für den ersten Abschnitt im Bereich zwischen dem Arbeitsamt und Rhein-Herne-Kanal. Noch 1994 begannen die Arbeiten an den Abschnitten Rhein-Herne-Kanal - Autobahn A516 und Arbeitsamt - Hauptbahnhof, Anfang 1995 wurde der Abschnitt Hauptbahnhof - Landwehr in Angriff genommen und im März 1995 schließlich auch der letzte Abschnitt A516 - Sterkrade Bf.

Der Zeitrahmen für die Ausführung der Bauarbeiten war wegen der für den Herbst 1996 geplanten Eröffnung des CentrO sehr eng gefaßt. Dennoch konnten nach einer Bauzeit von nur 22 Monaten bereits zum Fahrplanwechsel am 2. Juni 1996 die ÖPNV-Trasse und damit auch Oberhausens neue Straßenbahn in Betrieb genommen werden.

Zur Eröffnung der neuen Nahverkehrstrasse wurde das Oberhausener Liniennetz völlig umgestaltet und der ÖPNV mit wesentlich verbessertem Angebot und teilweise erheblich verkürzten Fahrtzeiten deutlich aufgewertet, was sich erfreulicherweise schon bald in steigenden Fahrgastzahlen niederschlug.

Auch die neue Straßenbahn wurde von den Fahrgästen gut angenommen, so dass der anfangs nur zwischen Sterkrade und Hauptbahnhof vorgesehene 10-Minuten-Takt (Linien 112 Sterkrade - Hbf - Mülheim und 116 Sterkrade - Hbf abwechselnd und jeweils alle 20 Minuten) bereits nach einem Jahr zugunsten eines durchgehenden 10-Minuten-Takts auf der gesamten Linie 112 aufgegeben werden konnte.

***************************

Trotz der insgesamt sehr positiven Entwicklung im Zuge der Umgestaltung des Oberhausener Nahverkehrsnetzes konnte der eigentlich geplante zügige Ausbau der Straßenbahn seinerzeit nicht verwirklicht werden.

Die Planung für die ursprünglich bereits in der ersten Ausbaustufe vorgesehene weitere Verbindung nach Mülheim über die Danziger Straße wurde bald eingestellt, da sich in der Nachbarstadt die Planungen zum Ausbau der anschließenden Linie 102 mit dem Bau des Ruhrtunnels mehr und mehr verzögerten.

Der geplante Weiterbau der bestehenden Strecke von Sterkrade in Richtung Schmachtendorf wurde 1997 dank anhaltender Bürgerproteste vom Stadtrat bis auf weiteres zurückgestellt, während die Planungen zum Bau einer neuen Straßenbahnverbindung nach Essen überarbeitet und mit der Erschließung der übrigen ehemaligen Industrieflächen im Projekt O-Vision / Zukunftspark verknüpft wurden.

***************************

Zumindest ein erstes kleineres Projekt zur Erweiterung der Oberhausener Straßenbahn ist inzwischen verwirklicht worden: Im Zuge der Erneuerung der Straßenbrücke über die Bahnlinie in Oberhausen Sterkrade wurde die ÖPNV-Trasse um rund 700 Meter bis zum Neumarkt verlängert. Der planmäßige Betrieb auf dieser Neubaustrecke begann am 01.11.2004.

Informationen zu diesem Streckenausbau und zum Stand der übrigen Ausbauplanung finden sich in der Rubrik „Strecken”.

***************************

Quellen:
Oehlert-Schellberg/Kunig: Straßenbahn in Oberhausen
M.Kochems in Straßenbahn Magazin 06/2002



+/04.11.04