Home Fahrzeuge Strecken Busnetz Bilderbogen Die Zukunft +Plus Die Vergangenheit: Aufbau Die Vergangenheit: Neubau Die Vergangenheit: Netzplan OB Die Vergangenheit: Einst & Jetzt Die Vergangenheit: Spurensuche
Abbau der Straßenbahn  
   

Mit den zunehmenden Schäden durch die Luftangriffe des 2. Weltkriegs wurde die Aufrechterhaltung des Straßenbahnbetriebs auch in Oberhausen immer schwieriger. Nach der Zerstörung eines Gutteils des Wagenparks im Juni 1943 wurden aus anderen Städten noch Wagen als Ersatz zugeführt; dennoch geriet der Betrieb mehr und mehr zum Provisorium und wurde mit Näherrücken der Front am 27.03.1945 ganz eingestellt.

Bereits Ende April 1945 wurde auf ersten Abschnitten der Betrieb wieder aufgenommen, bis Ende des Jahres war ein großer Teil der Strecken wieder befahrbar. Ein umsteigefreier Verkehr in alle Stadtteile war allerdings erst nach der Wiederaufbau der zerstörten und zuerst nur provisorisch reparierten Brücken über Emscher und Rhein-Herne-Kanal ab 1948/49 möglich.

Bis Mitte der 1950er Jahre war die Beseitigung der Kriegsschäden abgeschlossen, der Gemeinschaftsbetrieb mit Mülheim und Essen wieder eingeführt. Die wichtigsten Strecken wurden, soweit dies möglich war, zweigleisig ausgebaut und sogar die 1943 abgebaute Strecke Lipperheidebaum wurde 1957 wieder aufgebaut. In Lirich wurde sogar noch eine Weichenverbindung für einen geplanten Lückenschluß nach Buschhausen Bf installiert; zum Bau der Strecke sollte es allerdings nicht mehr kommen.

***************************

Im Gegensatz zu anderen Städten, in denen die Schäden der Kriegszeit zum Anlaß genommen wurden, neue Durchbruchstraßen anzulegen, den innerstädtischen Verkehr neu zu ordnen und in der Folge auch das Straßenbahnnetz zu einem modernen und leistungsfähigen Verkehrsmittel auszubauen, verblieb es in Oberhausen insbesondere auf den Querlinien vielerorts bei den beengten Straßenverhältnissen der Vorkriegszeit.

Da somit eine grundlegende Modernisierung der Oberhausener Straßenbahn mit durchgehend zweigleisigem Ausbau und möglichst eigenem Bahnkörper weder finanzierbar noch durchsetzbar war und der vorhandene Wagenpark für einen rationellen Einmannbetrieb nicht geeignet war, stellte die Stadt Anfang der 1960er Jahre den Fortbestand ihrer Straßenbahn in Frage.

Ein eingeholtes Gutachten schlug denn auch, wenig überraschend, für einen großen Teil des Straßenbahnnetzes die Umstellung auf Busbetrieb vor. Lediglich für die Strecke von Holten über Sterkrade und Hauptbahnhof nach Mülheim-Saarn und die davon abzweigende Strecke vom Werksgasthaus zur Stadtgrenze Essen, die Gemeinschaftslinien mit Essen und Mülheim, wurde der Weiterbetrieb als Straßenbahn als sinnvoll angesehen.

Der Beschluß des Oberhausener Stadtrats vom 05.07.1965 zur vollständigen Umstellung auf Busbetrieb ging einerseits über die Empfehlungen des Gutachtens hinaus, bestätigte andererseits aber nur praktisches Handeln, denn bereits vor diesem Beschluß waren einzelne Strecken stillgelegt und auf Busbetrieb umgestellt worden.

***************************

Der Rückzug der Straßenbahn aus Oberhausen begann am 12.10.1963. An diesem Tag endete sowohl der Betrieb auf der Duisburger Straßenbahnlinie nach Holten Markt als auch auf der Mülheimer Pendellinie von Dümpten zur Wehrstraße.

Als erste Linie der Oberhausener Straßenbahn wurde die Linie 4 von Dümpten über Wehrstaße und Hauptbahnhof nach Lirich am 31.12.1963 stillgelegt, die nur ein mäßiges Verkehrsaufkommen, dafür aber viele eingleisige Abschnitte aufwies und überwiegend mit Vorkriegsfahrzeugen befahren wurde.

Recht ähnlich waren die Verhältnisse auf dem Abschnitt Sterkrade Bf - Buschhausen Bf der Linie 2, der am 31.12.1964 eingestellt wurde. Die Bedienung erfolgte nun durch die gleiche Buslinie, die im Vorjahr bereits die Linie 4 ersetzt hatte, wobei auch die als Straßenbahn nicht verwirklichte Verbindung von Lirich nach Buschhausen zustande kam.

***************************

Der Rest der Linie 2 von Sterkrade Bf über Osterfeld und Hauptbahnhof zur Broermann-Realschule (Vincenzhaus) wurde als erste Strecke nach dem Ratsbeschluß am 02.10.1965 auf Busbedienung umgestellt. Der Abschnitt Sterkrade Bf - Osterfeld wurde allerdings auch danach noch für rund 2½ Jahre von der Linie 17 der Vestischen Straßenbahn bedient.

Inmitten der fortschreitenden Streckenstillegungen konnte die Oberhausener Straßenbahn am 14.01.1966 kurioserweise noch einmal die Inbetriebnahme eines neuen Streckenabschnitts feiern. Im Zuge der Errichtung einer neuen Straßenbrücke über die Emschertalbahn erhielt die Straßenbahn eine ca. eine Kilometer lange Neubaustrecke auf eigenem Bahnkörper mit niveaufreien Haltstellenzugängen.

Am 30.04.1966 zog sich die Duisburger Straßenbahn mit Stillegung ihrer beiden Meterspur-Linien von Hamborn nach Holten Bf und Buschhausen Bf vollständig von Oberhausener Stadtgebiet zurück.

Als nächste Linie der Oberhausener Straßenbahn wurde am 22.10.1966 die Linie 3 von Alstaden über Hauptbahnhof und Knappenstraße zum Lipperheidebaum stillgelegt. Am gleichen Tag endete mit der Einstellung des Abschnitts Broermann-Realschule - Bahnhof Styrum auch der Gemeinschaftsbetrieb mit der Mülheimer Straßenbahn auf der Linie 1.

***************************

Damit war das Oberhausener Straßenbahnnetz auf seine beiden verkehrsstärksten Linien reduziert, denen das oben erwähnte Gutachten seinerzeit das Potential für den Weiterbetrieb als Straßenbahn bescheinigt hatte, und die dennoch nur noch für kurze Zeit weiterbestehen sollten.

Am 07.10.1967 endete mit der Stillegung der Linie 5 auf Oberhausener Stadtgebiet auch der Gemeinschaftsverkehr mit der Essener Straßenbahn. Auf Essener Seite besteht die Linie, seither mit der Endhaltestelle Unterstraße in Essen-Frintrop und inzwischen als 105 bezeichnet, bis heute weiter.

Die endgültige Einstellung der letzten Oberhausener Straßenbahnlinie erfolgte 1968 in zwei Stufen. Bereits am 01.03.1968 wurde die Verstärkungslinie 1E zwischen Broermann-Realschule und Sterkrade, Hagelkreuz auf Busbedienung umgestellt. Wegen des starken Verkehrsaufkommens, dass von den als Ersatz vorgesehenen Bussen anfangs nicht bewältigt werden konnte, mußte die Linie 1 kurz darauf noch auf einen 15-Minuten-Takt verdichtet werden.

Am 16.04.1968 zog sich die Vestische Straßenbahn von ihren Strecken in Sterkrade und Osterfeld zurück. Auf Oberhausener Stadtgebiet verblieb dadurch nur noch ein rund 800m kurzer Abschnitt von Klosterhardt zur Stadtgrenze Bottrop.

Der letzte Betriebstag der Linie 1 kam schließlich am 14.10.1968. Mit einem Fahrzeugkonvoi von der Endhaltestelle Holten Bf zum Betriebshof verabschiedete sich die Oberhausener Straßenbahn von ihrer Stadt.

***************************

Die vorläufig letzten Kapitel des Straßenbahnbetriebs in Oberhausen schrieben dann noch zwei Nachbarbetriebe:

Die Linie 15 der Mülheimer Straßenbahn, ursprünglich auch eine Gemeinschaftslinie, wurde in der Nachkriegszeit als Ausgleich für den überwiegenden Einsatz Oberhausener Wagen auf der Linie 1 ausschließlich mit Mülheimer Fahrzeugen bedient. Auch nach der Einstellung der Oberhausener Straßenbahn blieb der Abschnitt Landwehr - Oberhausen Hauptbahnhof weiterhin in Betrieb. Die erforderlichen Gleiserneuerungen im Zuge des Ausbaus der Mülheimer Straße wollte Mülheims Straßenbahn dann allerdings auch nicht auf sich nehmen. Am 04.04.1971, exakt 74 Jahre nach der Eröffnung der Oberhausener Straßenbahn, endete damit der Straßenbahnbetrieb im ursprünglichen Oberhausener Stadtgebiet.

Danach verblieb als allerletzte Straßenbahnlinie nur noch der erwähnte kurze Abschnitt der Linie 10 der Vestischen Straßenbahn in Klosterhardt, mit dessen Stillegung am 19.10.1974 Oberhausen endgültig gleisfrei wurde.

***************************

Quellen:
Oehlert-Schellberg/Kunig: Straßenbahn in Oberhausen
Höltge: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland, Band 4 Ruhrgebiet



*/27.12.03